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Susi

Was kann ich aus den Erfahrungen anderer lernen? - Mit Immobilien verspekuliert

Ade Mallorca.

Wirtschaftlicher Aufschwung, staatliche Förderung, niedrige Mieten, die steigen mussten – der Bauingenieur Rudolph M. war überzeugt, dass er mit dem Kauf seiner Immobilie im Osten nichts falsch machen konnte.

Ein befreundeter Architekt hatte mir den Tipp gegeben: 40 Quadratmeter in Leipzig, gut geschnitten, gute Lage, die Nikolaikirche fußläufig zu erreichen. Mit 150.000 EUR nicht ganz günstig, aber dank der staatlichen Aufbauförderung Ost ein gutes Modell zum Steuersparen. Die Mieten waren zu der Zeit, Mitte der 90er Jahre, so spottbillig in Leipzig, dass sie in den kommenden Jahren einfach steigen mussten. Und hatte nicht Bundeskanzler Helmut Kohl „blühende Landschaften“ versprochen, den wirtschaftlichen Aufschwung nach der Wende? Ich rechnete es mir dreimal durch, bevor ich den Kaufvertrag unterschrieb – und klopfte mir auf die Schulter. Auf meinen guten Riecher war Verlass. Mit dieser Immobilie konnte ich nichts verkehrt machen.

Womit ich nicht gerechnet hatte, war die tatsächliche Entwicklung nach der Wende. Von wegen „blühende Landschaften“! Es gab kaum Arbeitsplätze, nichts ging voran. Viele, vor allem junge Leute zogen weg, suchten sich woanders Arbeit, bei uns in München zum Beispiel. Im Osten dagegen bewegte sich nicht viel. In den Innenstädten standen die Wohnungen leer – darunter auch meine.

Nach zehn Jahren war es genug

Steigende Mieten? Ich bekam meine zeitweise nicht mal für den Quadratmeterpreis los, bei dem ich gestartet war. Nach zehn Jahren war ich es leid, ich wollte die Wohnung nur noch loswerden. Aber selbst das war nicht einfach. Schlussendlich gab ich sie einem Makler, der für 50.000 EUR einen Käufer fand. Mit anderen Worten: Rund hunderttausend Euro habe ich mit diesem super „Sparmodell“ sinnlos versenkt.

Als ich die Wohnung seinerzeit gekauft habe, hatte ich so eine naive Vorstellung, dass ich sie irgendwann mit einem Riesengewinn abstoßen und mich mit dem Geld auf Mallorca zur Ruhe setzen würde. Die Idee habe ich mir aber eigentlich schon bald abgeschminkt. Das ist auch nicht weiter schlimm, Mallorca muss nicht sein. Was mich bis heute schmerzt, ist der Gedanke, dass ich meinen Kindern damit etwas weggenommen habe – dass mein Erbe an sie jetzt soviel kleiner ausfällt, weil ich damals einen Fehler gemacht habe.

 

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