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Susi

Was kann ich aus den Erfahrungen anderer lernen? - Ohne Berater geht es nicht

Mit Bedacht geht die Wirtschaftskorrespondentin vor, die ein finanzielles Ruhepolster für ihre behinderte Mutter und sich selbst schaffen will: Sie erkennt rechtzeitig, dass sie alleine kaum die richtige Strategie finden wird und nimmt einen Anlageberater zu Hilfe.

Meine Mutter war gerade fünfzig Jahre alt, als sie eine Gehirnblutung bekam. Ein Aneurysma, das sie mit großem Glück überlebt hat. Mit schweren Folgen allerdings. Meine Mutter ist seitdem gehbehindert, tut sich bis heute mit dem Sprechen schwer. Und ich gehe davon aus, dass das alles mit zunehmendem Alter nicht besser wird. Deshalb wäre ich gern auch finanziell auf ein paar Dinge gefasst. Auf meinem Konto liegen derzeit 130.000 EUR, die ich irgendwie anlegen muss.

Ich hatte meinem Bruder das Geld im Laufe der vergangenen Jahre geliehen, und kürzlich hat er es auf einen Schlag zurückgezahlt. Als ich diese Riesensumme auf meinem Kontoauszug schwarz auf weiß gesehen habe, war mir klar, dass ich mir jetzt etwas einfallen lassen muss. Die Inflation braucht mein Geld nicht auffressen. Aber so viele Möglichkeiten gibt es im Moment ja nicht, wenn die Anlage einerseits nicht superriskant sein, andererseits doch etwas Zinsen abwerfen soll.

Abgesichert mit Lebensversicherung und Immobilie

Eine grundlegende Absicherung habe ich. Der erste Schritt war eine Lebensversicherung, die ich schon während des Studiums abgeschlossen habe. Sie läuft auf meine Mutter. Falls mir etwas passiert, bekommt sie das Geld ausbezahlt. Dann habe ich vor zehn Jahren in Ingolstadt, nördlich von München, auf einem geerbten Grundstück ein Doppelhaus gebaut, in dem jetzt meine Mutter lebt. Die andere Hälfte habe ich vermietet.

Wir haben „unsere“ Hälfte von Anfang an so geplant, dass meine Mutter komplett im Erdgeschoss wohnen könnte und keine Treppe mehr gehen muss, wenn sie das irgendwann nicht mehr kann. Im Moment hat sie ihr Schlafzimmer und das Badezimmer noch oben im ersten Stock. Alle paar Wochen besuche ich sie. Das Haus habe ich auch für mich als Alterswohnsitz gedacht: Wenn ich mal in Rente bin, muss ich zumindest keine Miete mehr zahlen. Und mit den 130.000 EUR, die ich angespart habe, baue ich mir jetzt quasi zur Sicherheit ein drittes Standbein auf.

Sichere Anlage für möglichen Pflegefall

Anfangs hatte ich auch Edelmetalle als Anlage nicht ausgeschlossen, neben einer zweiten Immobilie. Das ist bei den hohen Preisen jetzt aber glaube ich nicht der richtige Moment zum Einsteigen. Außerdem hätte ich gern eine Anlage, die „arbeitet“ – also die einer Firma oder der Wirtschaft etwas bringt. Gold ist mir zu leblos. Meine Mama hat eine kleine Rente, sie war die meiste Zeit ihres Lebens für uns Kinder da, meinen Bruder und mich, bevor sie krank geworden ist. Da muss ich vermutlich irgendwann mal mit ran.

Mittlerweile liest man ja immer öfter, dass Kinder herangezogen werden, wenn die Rente der Eltern im Alter nicht mehr reicht. Ich selbst bin ganz alleine, bei mir springt sowieso mal keiner ein, falls ich Pflege brauche. Also muss das Geld für uns beide reichen. Mein Plan ist, dass ich 30.000 EUR als Festgeld liegen lasse, damit ich da schnell ran kann, falls ich kurzfristig etwas brauche.

Für die übrigen 100.000 EUR suche ich etwas Längerfristiges. Bloß was?

Klar habe ich als Wirtschaftskorrespondentin ein Interesse und ein gewisses Fachverständnis auf dem Gebiet. Andererseits muss man kein Experte sein, um zu sehen, dass die Zinsen extrem niedrig sind und vielleicht auch noch eine Weile so bleiben. Und dass Immobilien gerade völlig überteuert sind, weil sich alle drauf stürzen. Dazu kommt, dass mich Wirtschaftsthemen zwar von Berufs wegen interessieren – ich möchte mich aber nicht jeden Morgen zwei Stunden hinsetzen und Aktienkurse studieren, um mit meiner Anlage auf dem Laufenden zu sein. Das überlasse ich gern anderen.

Letztens hatte ich einen Termin mit einem Vermögensberater, bei dem auch eine Freundin ist. Er hat ihr Geld breit gestreut angelegt, in Aktien, Anleihen, Fonds. Damit kam meine Freundin im vergangenen Jahr auf eine Rendite, die mir bei den heutigen Zinsen ziemlich gut vorkommt. Vielleicht mache ich das auch. Eines ist mir in den vergangenen Monaten auf jeden Fall klargeworden: Es ist extrem aufwändig, sich einen Überblick über die ganzen Anlagemöglichkeiten zu verschaffen und dann das Richtige herauszupicken. Alleine bekommt man das glaube ich gar nicht hin.


Prof. Thomas Druyen über Vermögen und warum es mehr als bloß Geld ist

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