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Isabella.

Werde ich zu Hause gute Pflege bekommen? - Allein, aber nicht einsam

Reportage: Im Alter allein zu Hause, aber nicht einsam.

Seinen Lebensabend akribisch planen und durchorganisieren – wer macht das schon? Johann F. hat es getan. Jetzt erntet er die Früchte: Er kann trotz Pflegebedürftigkeit in den eigenen vier Wänden bleiben und hat einen erfüllten Alltag. Über einen Mann, der auch mit dem Rollator noch im Leben steht.

Selbstständigkeit war für ihn immer das Wichtigste. Johann F., Jahrgang 1932, hatte sein Leben stets im Griff, war akribisch organisiert und ist es bis heute. Als sein Sohn vor zehn Jahren der Arbeit wegen nach Singapur umzog, setzte sich Johann F. an seinen kleinen Schreibtisch und organisierte seinen Lebensabend. „Nicht ohne meine vier Wände“, das war für den allein lebenden Witwer entscheidend. Als sich mit den Jahren die Krankheiten des Alters andeuteten, war der pensionierte Lehrer bestens vorbereitet. „Hier geht’s manchmal zu wie im Taubenschlag“, ruft er gegen das laute Radio an und zählt auf: Morgens um 6:30 Uhr klingelt der Pflegedienst, dem er im Morgenmantel öffnet. Eine Pflegerin startet mit ihm in den Tag, wäscht ihn, hilft beim Ankleiden und bringt das Frühstück.

Mir geht’s eigentlich noch sehr gut

Johann F.’s Rücken ist kaputt, er kann sich nicht mehr ohne Schmerzen bücken. Altersbedingt sieht er nur noch wenig und braucht zudem täglich seine Insulinspritzen. „Mittags und abends bekomme ich Verpflegung“, berichtet er. Nach dem Abendbrot ist Johann F. wieder umsorgt, dann kommt das ganze Prozedere vom Morgen noch einmal, diesmal rückwärts: auskleiden, waschen, ins Bett bringen lassen von der Pflegerin. „Pflegestufe I“, sagt der Witwer, „mir geht’s doch eigentlich noch sehr gut.“

Unter der Strickjacke ein Notrufknopf

Dreimal in der Woche kommt eine Putzkraft für einige Stunden. Sie begleitet ihn zudem zu Arztbesuchen oder auf eine kleine Runde vor die Tür. „Wir nehmen dann den Rollator.“ Vor Johann F. auf dem Wohnzimmertisch liegt eine Liste mit Tabletten, die er täglich braucht. „Wenn ich die nehme, bleibe ich fit“, sagt er. Jeden Sonntag kommt sein Freund Helmut zum Schachspielen vorbei. Johann F. lässt sich von ihm die Züge beschreiben, die Schachfiguren erkennt er nur verschwommen. „Hier oben ist noch alles tipptopp.“ Er verliere manchmal nur, weil sein Freund schummle, behauptet Johann F. und lacht. Unter dem Ärmel der grauen Strickjacke trägt der 79-Jährige ein Armband mit Notrufknopf. Falls er mal stürzen sollte, kommt sofort Hilfe.

Mittwochs kommt seine Freundin

Heute ist Mittwoch, da erwartet der 79-Jährige seine Freundin. Die Edith habe er auf einer Parkbank im Englischen Garten angesprochen, erzählt er. „Ja, die Edith, die ist noch jung.“ Erst 70 Jahre sei sie alt. Sie bringt bei ihren Besuchen Nusskuchen mit und macht Kaffee. Johann F. legt dann eine Opern-Schallplatte auf. Allerdings weigert er sich, mit Edith rauszugehen. „Mit diesem Rollator neben der schönen Edith? Das kommt nicht infrage!“ Dazu ist er zu stolz. Punkt 15 Uhr klingelt es. „Pünktlich ist sie ja“, registriert er zufrieden. In Zeitlupe schiebt sich Johann F. aus dem Sitzkissen hoch und greift nach der Gehhilfe. Er zieht sich noch einmal den Scheitel zurecht, bevor er zur Wohnungstür schiebt. „Komme schon!“ 

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