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Jennifer

Hildegard N.: Friseurlehre unter Fliegerbomben

Mit der Heirat gab Hildegard N. ihren Beruf auf. Sie blieb als Hausfrau daheim und zog die Kinder groß. „Das war früher so“, sagt die 88-Jährige.

Als ich mit der Schule fertig war, wollte ich unbedingt Friseurin werden. Aber wir mussten damals erst ein sogenanntes Pflichtjahr machen. So bin ich mit 14 Jahren ganz von zu Hause weggekommen – als Schulkind entlassen und sofort zu fremden Leuten, zum Putzen und Schrubben. Damals gab es noch Lebensmittelmarken, und Butter bekamen nur Jugendliche.

Weil ich ja erst 14 war, stand mir Butter auf einen Schein zu. Die musste ich zu Hause aber an die vier Kinder der Familie abgeben. „Die Butter wollen wir mal für unsere Kinder lassen“, hieß es, wenn der Frühstückstisch gedeckt wurde. Das Pflichtjahr musste man durchhalten, egal wie schwer es war. Wenn man abbrach, musste man ein neues Jahr von vorne anfangen. Das erste Mal nach Hause zu meinen Eltern durfte ich nach sechs Monaten.

Arbeiten in Kriegszeiten

Als ich dann zur Lehre ging, bei einem Friseur in Eickel, habe ich bei drei Vierteln der Bombenangriffe – und das waren viele – auf der Straße gelegen. Der Tiefbunker war da, wo ich gearbeitet habe. Der nächste Stollen, in den wir rein konnten, war 30 Minuten zu laufen. Aber wenn es Alarm gab, kamen gleich die Bomben, da ist man nicht mehr von einem Bunker zum anderen gekommen. Da sind wir platt auf der Erde gelegen, auf der Straße, in den Rinnen. Ich habe mit bloßem Auge die Bomben oben ausklinken gesehen. Wenn die nicht gehört wurden, dann haben die ganz unmittelbar in der Nähe eingeschlagen. Wenn man sie hat pfeifen hören, dann waren sie ein bisschen weiter weg. Unser Eickel ist besonders stark bombardiert worden, weil da ein Treibstoffwerk war und die ganzen Zechen rundherum. Meine Mutter hat immer gesagt, „du kommst bestimmt mal nicht mehr bis nach Hause zurück, dir passiert mal was“. Das war schlimm. Die Zeit vergisst man nicht.

Glückliche Ehe bis zum letzten Tag

Im August 1950 haben wir geheiratet, Paul und ich. Ich muss immer wieder sagen, ich habe einen einmalig guten Mann gehabt. Es gab viele schlechte Ehen früher, aber es konnte ja keine Frau von ihrem Mann weggehen. Ich weiß noch, ich hatte eine Kollegin, die hatte einen brutalen Mann, und die sagte oft: „Hilde, was du für ‘nen Mann hast, das kannst du gar nicht schätzen“. Die meisten von uns waren ja nur in einem Haushalt zum Putzen, ehe sie geheiratet haben, wohin wollten die zurückgehen? Als mein Mann in den 80er-Jahren krank wurde und wusste, dass er sterben muss, hat er nur immer gesagt: „Ich bin froh, dass du genug Geld bekommst, dass dir genug zur Verfügung stehen wird.“ Das war sein Trost. Und ich muss sagen, ich bin auch recht froh darüber, dass ich mich nicht einschränken muss. Das ist mir Gott sei Dank geblieben.


Weitere Beispiele:
> Hildegard N.: Friseurlehre unter Fliegerbomben
> Bärbel M.: Arbeiten,  um eigenständig zu sein
> Nadine M.: Berufstätig und alleinerziehend

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