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Jennifer

Bärbel M.: Arbeiten, um eigenständig zu sein

Als Hausfrau daheim zu bleiben wie ihre Mutter, das war nichts für Bärbel M. „Ich wollte in den Beruf zurück, als Nadine in den Kindergarten ging.“

Meinen Beruf habe ich mir von zwei Freundinnen meiner Mutter „abgeschaut“. Eine war Krankenschwester, die andere MTA, also medizinisch-technische Assistentin. Die Krankenschwester hat mir dann auch meine erste Arbeit verschafft: Mit zwölf Jahren habe ich angefangen, mir ein Taschengeld dazuzuverdienen, indem ich das Essen auf die Zimmer im Krankenhaus gebracht habe. Da habe ich gemerkt: Krankenhaus, Labor, Medizin, das gefällt mir ganz gut. Ich war mit fünf Jahren in Wanne-Eickel eingeschult worden und hatte meine mittlere Reife, als ich noch keine 16 war.

Mein Onkel hatte versucht, mich mit allen möglichen Geschenken zu ködern, damit ich Abitur mache, aber das hat mich nicht interessiert. Ich war schon immer so, dass ich beharrlich ein Ziel verfolgt habe. Und mich durchgesetzt habe. Mit 19 war ich mit meiner Ausbildung fertig und bin mit meinem Verlobten nach Hamburg gezogen. Damals war man erst mit 21 Jahren volljährig, deshalb musste ich mich mit meinen Eltern einigen, dass sie mich gehen lassen. Ich stand früh auf eigenen Füßen, und mir kam das immer selbstverständlich vor. Ich habe gar nicht so gemerkt, dass das bei anderen vielleicht anders war.

Kurze Babypausen in den 80ern

Wir haben 1974 geheiratet, als wir Mitte zwanzig waren. Nadine kam 1981 zur Welt, da hatten wir beide schon zehn Jahre lang gearbeitet und ganz gutes Geld verdient. Nur als Nadine ganz klein war, habe ich drei Jahre lang pausiert. Danach bin ich mit Urlaubsvertretungen in meinen Beruf zurückgekehrt. Regelmäßig habe ich wieder gearbeitet, als mein Mann und ich uns getrennt haben, Nadine war damals sechs Jahre alt. Ich hätte nicht arbeiten müssen. Mein Ex-Mann hat immer Unterhalt für uns gezahlt. Aber ich wollte raus, unter Menschen kommen. Arbeit ist so wichtig, damit ich nicht versauere – und dass ich nicht den Anschluss verliere. Es entwickelt sich ja dauernd alles weiter. Als ich angefangen habe zu arbeiten, wurde im Labor alles auf Karteikarten geführt. Später wurde ein Computer angeschafft, da musste ich mich einarbeiten, und so habe ich mich auch damit vertraut gemacht.

„Ich habe immer darauf geachtet, dass Nadine sieht, dass ich mir mein Geld selbst verdienen muss und dass ich selbst für mich Sorge trage“

Auch meine Versicherungen – eine Lebens-, Unfall- und private Krankenhauszusatzversicherung – habe ich schon damals selbst abgeschlossen. Und selbst bezahlt, all die Jahre über. Jetzt im Juli könnte ich in Rente gehen. Aber ich denke mir, solange die Gesundheit es noch hergibt, arbeite ich weiter. So kommt ja auch bei meiner Rente noch etwas dazu. Wenn ich Nadine und meine jungen Kolleginnen sehe, mache ich mir schon manchmal Sorgen, wie es ihnen später einmal ergehen wird. Klar haben sie mehr Freiheiten als wir. Aber wenn man sieht, wie die Welt sich verändert hat, auch mehr Unsicherheiten.


Weitere Beispiele:
> Hildegard N.: Friseurlehre unter Fliegerbomben
> Bärbel M.: Arbeiten,  um eigenständig zu sein
> Nadine M.: Berufstätig und alleinerziehend


Was liegt gesellschaftlich im Argen?

> Warum Frauen besser vorsorgen müssen

 

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