Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen das bestmögliche Erlebnis zu bieten. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden.   Weitere Informationen zu Cookies
OK
Isabella.

Wie möchte ich im Alter leben? - Ersatzopa und Lernonkel

Manche sagen, eine neue Generation von Alten werde die zweite Lebenshälfte in Zukunft neu erfinden und ein besonders erfülltes Leben leben. Doch dafür gilt es vorzusorgen. So wie der pensionierte Studienrat Christian G., der Kindern von Einwanderern ehrenamtlich Nachhilfe gibt. Wir haben Menschen besucht, deren Lebensabende unterschiedlicher nicht sein könnten.

Auf dem Weg zu Christian G. in Hamburg kreuzt man die Aschenputtelstraße. Die Gegend klingt märchenhafter, als sie ist: Plattenbauten bestimmen das Bild. Hier im Osten der Hansestadt leben viele Zuwanderer. Wer hier zur Schule geht, muss sich besonders anstrengen. G. war fast vierzig Jahre als Lehrer tätig, davon 18 Jahre als Schulleiter. „Es ist fast immer die Sprache, die für die jungen Leute zum Problem wird“, sagt der Pensionär. „Mangelnde Deutschkenntnisse machen das Verstehen des Unterrichtsstoffs schwer.“ Viele geben auf. Nicht weil sie nicht schlau genug wären, sondern weil eine frühzeitige Förderung fehlt. G. ist sich sicher: „Die meisten Schüler mit Migrationshintergrund könnten auf der Regelschule bleiben, wenn sie in den ersten Klassen mehr Sprach- und Lernhilfen bekämen.“   

Er weiß das auch, weil er seit zehn Jahren Schüler bei ihren Hausaufgaben unterstützt. Und zwar unentgeltlich in seiner unmittelbaren Nachbarschaft. Wie es dazu kam? Zufall: Nach der Pensionierung ging G. regelmäßig in die Bücherhalle, um dort in Ruhe ein paar Zeitungen zu lesen. Eines Tages sprach ihn ein junges Mädchen an, ob er ihr bei einer Hausaufgabe helfen könne. Er konnte. Und so bat sie ihn häufiger um Hilfe. Mit der Zeit sprach es sich herum, dass es da einen älteren Herrn gab, der einem alle möglichen Dinge erklären kann. „Es waren fast ausschließlich Mädchen, die sich helfen lassen wollten“, sagt G. „In der ganzen Zeit kamen höchstens zwei oder drei Jungs zu mir, die aber nie dabeigeblieben sind.“  

Hilfe bis zum Abitur

Von der Bücherhalle verlagerten sich die regelmäßigen Treffen bald auf sein Zuhause, weil es sich dort konzentrierter arbeiten lässt. G. kennt die Eltern seiner Schülerinnen und die kennen ihn. Mitunter sind sie sogar bei ihm zu Gast. „Das ist mir sehr wichtig, dass die Familie sieht, wie wir hier arbeiten“, sagt G. Zu Besuch waren auch die Eltern von Maria. Die 18-Jährige ist in Afghanistan geboren und kam seit der achten Klasse regelmäßig zum Lernen zu ihm. „Es war so viel Stoff in so vielen Fächern“, sagt sie. „Kaum hatte man das eine abgearbeitet, kam gleich wieder etwas Neues dazu.“ Maria ist ehrgeizig. „Oft saßen wir viele Stunden am Stück zusammen und haben gearbeitet“, beschwert sich G. lachend. „Mich beeindruckt das sehr. Sie hat nicht lockergelassen und in den sechs Jahren enorme Fortschritte gemacht.“ Im vergangenen Sommer hat sie ihr Abi bestanden.  

Das hat dann doch etwas Märchenhaftes

Maria ist eine von etwa 25 Lernschülern, die G. über die Jahre betreut hat und von denen viele heute eine Ausbildung machen oder studieren. Er ist dem Zufall dankbar, dass er ihm so einen aktiven Ruhestand beschert hat. „Das Gefühl, gebraucht zu werden, ist wichtig für mich“, gesteht er. „Natürlich kommen die nicht wegen meiner schönen Nase her, sondern weil ich ihnen komplexe Sachverhalte verständlich machen kann.“ Und er selbst lernt auch dabei. Nicht nur, was den Schulstoff betrifft, der ihn fachlich fit hält, sondern auch, wie die jungen Leute heute denken. „Nebenbei bin ich so etwas wie ein Ersatzopa. Ein Außenstehender, dem man etwas erzählen kann und von dem keine Sanktionen drohen.“ Und einer, der zu Marias Abiturfeier eingeladen war. Wenn alles klappt, beginnt die junge Frau als Nächstes ein Lehramtsstudium. Und das hat dann doch etwas Märchenhaftes.


Geschichten die zeigen: Gute Absicherung ist eine Frage der persönlichen Präferenzen
> Christian G.: Ersatzopa und Lernonkel
> Manfred von M.: Arbeiten im Ruhestand
> Renate W.: Arbeiten nur zur Freude


Lebensversicherung - Modell mit Zukunft?

> Zur Diskussion

Speichern Abbrechen
  • 0
    Unfassbar
  • 0
    Her damit
  • 1
    Ganz nett
  • 0
    Naja
  • 1
    No way