Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen das bestmögliche Erlebnis zu bieten. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden.   Weitere Informationen zu Cookies
OK
Isabella Hartlaub

Reicht mir mein Geld im Alter? Fünf Menschen erzählen.

Die Erkenntnis, dass die gesetzliche Rente weniger wird und private Vorsorge deshalb ein Muss ist, hat sich inzwischen durchgesetzt. Mehr als 800.000 Rentnerinnen und Rentner brauchen jetzt schon staatliche Zuschüsse. Aber wer denkt schon an den eigenen Ruhestand, wenn er gerade seinen ersten Job angefangen hat? Wer legt gerne Geld zurück für Zeiten, die in weiter Ferne sind? Wir haben uns umgehört.

Judith S. 42 Jahre, München, Ernährungswissenschaftlerin

Es darf einfach nichts passieren
Nicht ausgeschlossen, dass ich tatsächlich von Altersarmut bedroht bin. Ehrlich gesagt habe ich das Thema bisher eher verdrängt. Bis dato hat nur mein Mann eine Lebensversicherung, für die er auch nur 100 EUR im Monat abzwackt. Wenn ihm mal irgendwas passieren würde, stünden die Kinder und ich wahrscheinlich nicht so gut da. Von der Versicherungssumme könnten wir schätzungsweise nur so zwei Jahre leben. Unser Hauskredit läuft ja auch noch zwanzig Jahre. Bei uns ging damals alles Knall auf Fall. Wir haben uns an der Uni kennengelernt, haben bald Kinder bekommen und sind dann anders als geplant in der klassischen Rollenverteilung gelandet: er der Ernährer, ich die Hausfrau und Mutter. Das hat sich einfach so ergeben. Eine eigene Altersvorsorge habe ich auch nicht. Bei uns darf wohl einfach nichts passieren.

Prognose gesetzliche Rente: 120 EUR
(nach heutigem Stand, ohne etwaige Witwenrente)


Oliver S. 39 Jahre, Berlin, Inhaber einer Internetagentur

Das Thema ist hinten runtergefallen
Das perfekte Paket für die Altersvorsorge haben meine Frau und ich bestimmt nicht geschnürt. Das Thema ist bislang hinten runtergefallen. Nach meiner ersten Zeit als freiberuflicher Webprogrammierer hatte ich alle Hände voll zu tun damit, meine eigene Agentur aufzubauen. Genau in dieser heißen Phase haben wir unsere beiden Kinder bekommen, die uns ziemlich in Beschlag nehmen. Immerhin habe ich auf Anraten meines Steuerberaters eine kleine Rentenversicherung abgeschlossen. Wegen der steuerlichen Vorteile. Allerdings wird mit den bisherigen Minibeträgen keine Altersvorsorge rauskommen, die den Namen verdient hat. Und auf viel gesetzliche Rente kann ich als Selbstständiger ja nicht hoffen. Aber ich setze mal darauf, dass meine Firma weiterhin so gut läuft.

Prognose gesetzliche Rente : 142 EUR
(nach heutigem Stand laut Rentenbescheid)


Reinhardt M. 62 Jahre, Bielefeld, Tennislehrer und Sportmanager

Schon klein angefangen
Es ist ja nicht so, als hätte ich mir nicht schon frühzeitig Gedanken gemacht. Als junger Mann kurz nach meiner Tennislehrerausbildung hatte ich alles: eine Berufsunfähigkeitsversicherung, eine Lebensversicherung und eine private Rentenversicherung. Man konnte das alles über den Deutschen Tennislehrerverband günstig abschließen. Ich war damals wahrscheinlich besser abgesichert als alle meine Freunde. Aber dann war ich doch wieder gedankenlos und habe über meine Verhältnisse gelebt. Eines Tages habe ich dann alle Versicherungen aufgelöst, um meine Schulden zu tilgen. Danach bin ich nicht mehr wirklich auf die Beine gekommen. Zuletzt waren meine Einnahmen durch selbstständige Jobs so gering, dass ich auf ergänzende finanzielle Hilfe angewiesen war. Wenn ich in Kürze aufhöre zu arbeiten, werde ich monatlich rund 1.000 EUR kriegen. Hätte ich meine Altersvorsorge noch, wären es circa 3.500 EUR. Aber als „Altersarmut“ würde ich das nicht bezeichnen. Klar würde ich heute einiges anders machen. Aber im Großen und Ganzen habe ich mich mit meinem Schicksal arrangiert und gelernt, mit weniger auszukommen.

gesetzliche Rente: 1.000 EUR


Alexandra K. 26 Jahre, Ingolstadt, Ingenieurin

Schon klein angefangen
Ich habe erst seit ein paar Monaten einen festen Job. Allerdings haben meine Eltern schon während meines Studiums etwas für mich abgeschlossen: eine private Rentenversicherung, in die sie kleine Beträge für mich eingezahlt haben. Jetzt, wo ich in meinen Beruf als Wirtschaftsingenieurin eingestiegen bin, habe ich die Zahlungen übernommen. Ansonsten bin ich noch in der Findungsphase. Mit der Planung der Altersvorsorge ist es ein bisschen wie mit dem Lernen fürs Studium: Man macht es nicht immer gerne, aber man weiß, dass es irgendwann mal einen Vorteil bringen wird. So halbfreiwillig. Schließlich will ich mir auch im Alter keine Sorgen machen müssen.

Prognose gesetzliche Rente: 210 EUR
(nach heutigem Stand laut Rentenbescheid)


Heinrich G. 60 Jahre, Dresden, Verwaltungsangestellter

Kärgliche Rente wird weiter schrumpfen
Zu DDR-Zeiten habe ich gar nicht so schlecht verdient, zumindest hatte ich als Angestellter in der Verwaltung eines Volkseigenen Betriebs mein Auskommen. Aber mit der Wende fiel meine Stelle weg. Monatelang war ich arbeitslos – bis ich eine Umschulung im EDV-Bereich bewilligt bekam. Doch auch danach musste ich Rückschläge einstecken. Erst nach vielen Bewerbungen fand ich im Einkauf eines mittelständischen Unternehmens eine Anstellung – und war endlich wieder in Lohn und Brot. Seit meiner letzten beruflichen Tätigkeit waren Jahre vergangen. Und leider währte das Glück auch nicht so lange wie erhofft: Mein Arbeitgeber hat inzwischen Konkurs angemeldet und ich stehe nun wieder ohne Arbeit dar. Dadurch wird meine ohnehin kärgliche Rente noch weiter schrumpfen.

Prognose gesetzliche Rente: 818 EUR
(nach heutigem Stand laut Rentenbescheid)


Zukunftsforscher Horx über die neuen Alten

> Zum Interview

Speichern Abbrechen
  • 25
    Unfassbar
  • 3
    Her damit
  • 3
    Ganz nett
  • 0
    Naja
  • 7
    No way
1 Kommentar
2015-05-19T12:55:39Z
  • Dienstag, 19.05.2015 um 14:55 Uhr
Spannend
Wie hilfreich finden Sie diese Antwort?